Als Freiberuflerin im Kampf ums Dasein
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| Auf dieser Erika-Schreibmaschine lernte ich tippen, was mir heute mein tägliches Brot sichern hilft. |
Seit 1997 biete ich als freiberufliche Sekretärin meine Dienste an, denn was an Autorenhonoraren anfällt, reicht bei Weitem zum Leben nicht aus. Ich arbeite als „Springerin“ in mehreren Büros oder erledige Schreibarbeiten zu Hause.
Die Freiberuflichkeit ist ein hartes Brot. Man hat entweder Zeit oder Geld, aber niemals beides in dem ausgewogenen Verhältnis, das der Mensch und insbesondere der Autor sich wünscht. Bald wird man durch eine Urlaubs- oder Krankheitsvertretung wochenlang von früh bis spät an ein Büro gefesselt, während daheim die Art von Arbeit wartet, zu der es einen machtvoll zieht. Dann wieder kommt wochenlang kein einziger Auftrag, so dass man zwar ungestört schreiben, aber bald nicht mehr die Miete bezahlen kann. Zwar findet man eine Arbeit als „Springerin“ leichter als eine Festanstellung, aber noch leichter verliert man sie auch – ein kleiner Fehler, ein falsches Wort, ein Outfit, das dem Gebieter nicht passt, schon findet man sich außerhalb des Hauses wieder. Man genießt ja keinerlei sozialen Schutz, und für die Arbeit stehen dutzendweise andere parat.
Ich habe während der letzten Jahre alle Höhen und Tiefen dieses Daseins erlebt, zwar keine Reichtümer geerntet, aber mich allzeit über Wasser gehalten, wenn ich auch mehr als einmal so tief in der finanziellen Krise stak, dass ich kaum wusste, wie es weitergehen sollte. Heute könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, Tag für zu festgesetzter Stunde in ein und demselben Büro zu erscheinen. Ich habe zurzeit zwei Arbeitgeber, die mich mehr oder weniger regelmäßig mieten, dazu gelegentliche Vertretungseinsätze. Natürlich wünsche ich mir, vom Schreiben leben und die Jobs an den Nagel hängen zu können. Aber manchmal denke ich, es ist doch ganz gut, dass ich gezwungen bin, unter Menschen zu gehen und mich im feindlichen Leben zu behaupten. Diese Büros, voll von Schicksalen, Kämpfen und alltäglichen Begebenheiten, bilden meine Verbindung zur Welt und halten meine Denk- und Tatkraft in Schwung.
