Projekt Opernmorde - Entstehung und Hintergrund
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Tanja Stern: "Opernmorde - Drei Verdi-Opern in Prosa erzählt" (edition tanja Stern 2007) |
"Zwei Männer, die um die Liebe einer schönen Frau rivalisieren – und in der Folge schäumende Leidenschaften, Ränke, Entführung, Verrat und Mord. Das ist die Welt der Großen Oper, der Stoff, aus dem Giuseppe Verdi seine musikalischen Einfälle schöpfte. Aber auch ohne Musik können Sie sich in diese aufregende Welt versenken. Tanja Stern hat in ihren "Opernmorden" die exaltierten Handlungen dreier Verdi-Opern eigenwillig interpretiert und dafür eine Form gefunden, die sich an die klassischen Novellen des 18. Jahrhunderts anlehnt." (Klappentext)
Die Idee für diese Arbeit verdanke ich Hans Neuenfels, dessen verrückte, furiose, blasphemische „Troubadour“-Inszenierung Mitte der 90er Jahre an der Deutschen Oper Berlin für Aufregung sorgte. Im Chaos der Buh- und Bravo-Rufe dachte ich zum ersten Mal genauer über die Handlung des "Troubadour" nach und bekam plötzlich Lust auf eine kleine parodistische Etüde – eine Art erweiterte Inhaltsangabe, im Stil von Kleist und Schiller gehalten. Munter machte ich mich ans Werk, dessen Umfang ich auf etwa zehn Seiten taxierte.
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Der Troubadour - Räuberpistole par excellence
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Die Aljaferia in Zaragoza - ein wichtiger Schauplatz des "Troubadour" |
"Der Graf de Luna ist ein mächtiger Herr, vermögend und an leichte Erfolge gewöhnt. Um so empfindlicher ist sein Stolz getroffen, als ihm die schöne Doña Leonor entschieden ihre Hand verweigert. Ein geheimnisvoller Fremder steht dem Glück des Grafen im Wege – ein Troubadour von dunkler Herkunft, an den Doña Leonor bei einem Sängerwettstreit ihr Herz verlor…“ (Klappentext)
Das Troubadour-Libretto, basierend auf einem einst viel gespielten Drama des Spaniers Antonio Garcia Gutierrez, gilt als das schlechteste, das Verdi je vertont hat. Gern zitiert wird der Ausspruch von Temistocle Solera, der Librettist Cammarano gehöre für dies Machwerk lebenslänglich auf die Galeeren. Allerdings ist der Plot primitiv und wirr, von Unlogik nur so strotzend und der aberwitzigsten Zufälle voll; doch zugleich trägt er in seltener Klarheit und Vollständigkeit alle Elemente in sich, die für Verdis Opernkosmos bezeichnend sind: die blutige Rivalität zweier Männer, des Tenors und des Baritons, um die Sopranistin; dazu im Hintergrund die Altistin, seelisch umschattet und problematisch; und natürlich all die zeitgemäßen Beigaben, Duelle, Entführungen, Opfertod...
Ein Maskenball - Gefühl contra Geschichte
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| Historisches Theater in Drottningholm, gegründet von König Gustaf III, dem theaterbesessenen Helden des "Maskenball" |
"Stockholm 1792. Auf einem Maskenball wollen antiroyalistische Verschwörer dem Leben des Schwedenkönigs Gustaf III. ein gewaltsames Ende bereiten. Von diesem Ball jedoch erhofft sich Gustaf unter dem Schutz der Verkleidungen und Masken ein Treffen mit der heimlich geliebten Amelia, der Gattin seines treuesten Freundes. Für dieses Treffen schlägt der König alle Warnungen in den Wind…“ (Klappentext)
Die Geschichte stammt ursprünglich aus der Feder Eugene Scribes, eines der populären Vielschreiber des 19. Jahrhunderts. Sie basiert auf der Ermordung des schwedischen Königs Gustaf III. während eines Maskenballs im Jahre 1792, die damals europaweit Aufsehen erregte.
Rigoletto - der Spaßmacher als Leidensgestalt
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| Der Spaßmacher als Leidensgestalt: Rigoletto-Statue in Mantua |
"Verbirg, was du liebst, sonst wird es dir genommen – diese Lehre hat Rigoletto, der verkrüppelte Hofnarr des Herzogs von Mantua, schon in jungen Jahren verinnerlicht. Argwöhnisch hält er seine Tochter Gilda von dem lasterhaften Hofstaat fern, ohne zu bedenken, dass er dadurch erst recht des Herzogs Neugier auf sie lenkt…“ (Klappentext)
Die Gestalt des Hofnarren, wie sie durch das frühe Mi ttelalter geprägt worden ist, zählt zu den sonderbarsten Phänomenen der Geschichte. Possenreißer und Künder der Wahrheit, Geisteskranker und heimlicher Weiser, Zerrspiegel und aufmüpfiger Widerpart des Herrschers – wer sich mit der komplizierten, immer neuen Abwandlungen unterworfenen Dialektik des Narrentums befasst, wird einen selten tiefen Blick in die Seele des Mittelalters tun. Die „Rigoletto“-Geschichte freilich entstand viel später, im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter verklärender Romantik und Sentimentalität. Victor Hugo, stets fasziniert von pittoresken Figuren und krassen Abgründen, wählte für sein Drama „Le roi s'amuse“ den bekannten Hofnarren Triboulet, der am Hofe Franz I. lebte, zum Helden bzw. zum Objekt aufgeklärt-bürgerlichen Mitgefühls. Die Geschichte vom verkrüppelten Hofnarren und seiner vom König verführten Tochter ist so überkonstruiert und verstiegen, dass sie unterhalb jeder Kritik rangiert – und doch zugleich so böse und so herzzerreißend, dass man es Verdi danken muss, sie mit seiner Musik geadelt und vor dem Vergessen bewahrt zu haben.
Presseecho "Opernmorde"
Die erste und bisher leider einzige Rezension zu den "Opernmorden" stammt von Carmen Winter und erschien am 08.01.2008 in der Tageszeitung "Neues Deutschland".
Wer Giuseppe Verdis Opern liebt und schon immer mehr über die Helden vom "Maskenball", von "Rigoletto" und vom "Troubadour" wissen wollte, der wird bei Tanja Stern fündig. Sie hat drei Opernballaden geschrieben und auch gleich in Taschenbuchform verlegt. Die Bezeichnung Ballade führt allerdings zunächst auf eine falsche Spur. Denn nicht in Reimform sind die Opern nach- und weitererzählt, sondern in Prosa. In der wunderbaren Sprache des 19. Jahrhunderts, in der zu Verdis Zeiten Prosa geschrieben wurde. Die Libretti der drei Opern wurden einst aus Dramen entwickelt. Nun kann der Leser die ausführliche Vorgeschichte der Figuren lesen und Tanja Sterns eigene Interpretation der Ereignisse, die teilweise andere Wege geht als in der Oper. Während im "Troubadour" die Romantiker auf ihre Kosten kommen wenn ihnen eine in kriegerische Auseinandersetzungen eingebundene Liebesgeschichte erzählt wird, geht es im "Rigoletto" reichlich blutig zu, und es wird manch Blick in die Abgründe der Charaktere geworfen. Die Geschichte vom "Maskenball" fesselt vor allem, weil die Gewissensnöte der weiblichen Hauptfigur Amelia so nachvollziehbar werden.
An allen drei Texten fasziniert, dass sie trotz der unmodern gewordenen Sprache dem heutigen Leser einiges zu sagen haben. Und sie bereichern das Erlebnis Oper. Ganz gleich, ob man sie vor oder nach dem Besuch liest.




