Buchhandlung im Bahnhof Friedrichstraße

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Bahnhof Friedrichstraße - Endstation für DDR-Bürger und Tor zum goldenen Westen. Viele Wessis werden sich noch an die Buchhandlung im Bahnhofsgebäude erinnern, wo sie ihr letztes Ostgeld ließen.

Nach meinem ruhmlosen Abgang vom Fernsehen war ich von der Universitäts - Absolventin zur Hilfsarbeiterin geworden und lernte „das wahre Leben“ kennen: zu nachtschlafener Stunde rasselnde Wecker, harte, eintönige Arbeit und ein kleinliches Reglement, in dem schon fünf Minuten Verspätung schweres Fehlverhalten markierten. Ich jobbte zunächst in einer Bibliothek, wo ich Signaturen auf Buchrücken klebte. Dann verschlug es mich in die berühmte „Buchhandlung im Bahnhof Friedrichstraße“: Hier klopften die Wessis ihre letzen Ost- und Westmünzen auf den Kopf, bevor sie durch den Tränenpalast in eine bessere Welt entschwanden. Obwohl die Arbeit auch nicht eben das war, was ein anspruchsvoller Mensch von seinem beruflichen Leben erwartet, behielt ich sie in guter Erinnerung: eine bunt gemischte, bald gut aufeinander eingespielte Kollegentruppe (mit einigen bin ich bis heute befreundet), leichter Zugriff auf die „heißen“ Bücher, die der normale DDR-Bürger gar nicht zu Gesicht bekam, und dazu dieser undefinierbare „Duft der großen weiten Welt“ – ich möchte diese Zeit nicht missen. Aber ich brauchte Freiraum zum Schreiben. Inzwischen hatte ich einen ersten zarten Kontakt zum „Buchverlag Der Morgen“ geknüpft, und wenn auch eine Veröffentlichung damals noch weit im Felde stand, so hielt ich doch die Zeit für gekommen, mich nach einer Halbtagsstelle umzusehen.

   
© Tanja Stern