Redakteurin beim Fernsehen der DDR

Fernsehen Uhr

Diese Designeruhr hat meine Jugend begleitet: Sie war eine Art Wahrzeichen des Fernsehens der DDR, das ein unglückliches Jahr lang meine Arbeitsstätte war.

Ein Jahr lang arbeitete ich beim Fernsehen der DDR, und zwar in der Abteilung, die für das Spielfilmangebot im Fernsehen zuständig war. Aus heutiger Sicht kein schlechter Job: Ich bekam eine Menge Filme zu sehen, und ich konnte schreiben, wenn auch weitgehend banale Texte. („Zwanzig Jahre lang hat Pierre die Launen seiner herrschsüchtigen Frau Yvette ertragen. Da tritt die junge Michèle in sein Leben...“)

Aber mein Chef war ein Betonkopf – ich fühlte mich eingeengt und reglementiert. Als es nach einem Jahr zum Streit kam, ließ ich kurz entschlossen, alle Kompromissangebote ablehnend, die Stelle fahren, ohne mich um eine adäquate neue zu kümmern. Damals kam ich mir vor wie eine kühne Rebellin, heute aber muss ich mich ehrlicherweise eher mit Trotzköpfchen vergleichen. Bei etwas mehr Lebenserfahrung hätte ich vermutlich eingelenkt, dann wäre mein Leben leichter verlaufen. Oder? War der Ausstieg vorprogrammiert, wenn nicht bei diesem Job, dann beim nächsten? Es ist schwer, das von Ferne zu beurteilen. Man muss mitten im DDR-Frust stecken, um die Wut, den Trotz, den Widerwillen zu begreifen, die mich damals lenkten. Hinzu kam, dass ich angefangen hatte zu schreiben, dass ich hier einen Weg in die Freiheit sah. Das war vielleicht der eigentliche Grund, weshalb ich so brachial auf den sozialen Absturz zusteuerte: Zuinnerst hatte ich wohl Angst, mein Leben lang an einer bequemen, gut bezahlten Stelle im Kulturgetriebe festzukleben und niemals den unbedingten Antrieb und die innere Notwendigkeit zum Schreiben zu finden.

   
© Tanja Stern