"Fern von Cannes" - Debüt mit Hindernissen


Cannes gross
Debüt mit Hindernissen: "Fern von Cannes", erschienen 1985 im Buchverlag Der Morgen

Da haben wir den Möchtegern-Dichter Michael, der mit einem unsterblichen Werk der schnöden Umwelt sein Genie beweisen will, wir haben den Backfisch Jana, der sich aus tristem Arbeitsalltag in eine Liebesschwärmerei flüchtet, und schließlich den verwöhnten Sohn aus großem Hause, Sascha Bronikowsky, der sich in kleinlich-moralisierenden Attacken gegen den Vater verausgabt und dessen Autorität nichts anderes entgegenzusetzen vermag als Verweigerung. Die Helden der drei Erzählungen versteigen sich in Wunschträumen, stellen Ansprüche an eine Umwelt, für die sie sich nicht verantwortlich fühlen, der sie die Schuld anlasten, wenn der eigene Lebensplan nicht von allein aufgeht. Sie gefallen sich in der Außenseiterrolle, Bitterkeit und Stagnation sind angebahnt. Mit Ironie und moralischer Empfindsamkeit nimmt Tanja Stern Altersgenossen unter die Lupe, die sich Leben versagen, weil es ihnen nicht zu Munde geht.“ (Klappentext, verfasst von Annelie Kaduk)

Es handelte sich also um drei Erzählungen, die nicht inhaltlich, aber thematisch zusammenhängen, die einander ergänzen und konterkarieren. (Ich hatte immer eine Schwäche für Trilogien.) Natürlich waren sie autobiografisch gefärbt, und natürlich waren sie mit Wut im Bauch geschrieben, vermutlich normal bei einer Anfängerin. Ein Autor, der schreibt, obwohl ihn kein Mensch druckt, ein junges Mädchen, das platonisch und vergeblich liebt, ein Sohn, der mit dem Elternhaus abrechnet - autobiografischer geht es nicht.

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Pressestimmen zu "Fern von Cannes"

"Fern von Cannes" fand ein reiches und überwiegend positives Presseecho. Die einzige kritische Rezension fand sich im Staatsblatt "Neues Deutschland", was nach DDR-Maßstäben ein ganz besonderes Lob darstellte. Den Verkauf hat das leider nur wenig beflügelt.

„Ein neuer Stern ist am Prosahimmel unseres Landes aufgegangen, Tanja Stern, Jahrgang 1952... Sie versteht es, Konflikte zu gestalten. Ihr Spürsinn ist erstaunlich.“ (Ingrid Kirschey-Feix, Junge Welt)

„Tanja Stern hat die Frage nach dem Schein und dem Sein konsequent durchgehalten und erzählt mit ironischer Überlegenheit. In der Titel-Erzählung gibt es Sprüche über den gesellschaftlichen Sinn künstlerischer Arbeit, die glatt von den Lippen gehen und ebenso aufgenommen werden, auf die Dauer jedoch eben den Schaden anrichten, der hier beschrieben wird. Die Geschichten wurden zu einem Stein in dem Mosaik einer Vergegenwärtigung unseres Lebens in den sechziger und siebziger Jahren, das wir immer wünschten und schon gar nicht mehr zu erhalten hofften... Die Erzählung 'Fern von Cannes' ist eine wesentliche in unserer Literatur.“ (Anneliese Löffler, Sinn und Form)

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© Tanja Stern