Verhinderte Filmheldin Amalie Dietrich

 

Amalie

Amalie Dietrich (1821 - 1891), Botanikerin und Forscherin

Das Filmprojekt beinhaltet das verbürgte Schicksal der Siebenlehner Botanikerin Amalie Dietrich (1821 - 1891), die, aus einfachsten Verhältnissen stammend, durch die Heirat mit einem Botaniker Zugang zur Sphäre dieser Wissenschaft fand und schließlich im Auftrag des Hamburger Reeders Cesar Godeffroy als Forscherin nach Australien ging. Die Vorlage für das Filmscript bildeten die beiden Erinnerungsbücher der Dietrich-Tochter Charitas Bischoff.

Im Schlepptau meines Prosadebüts kam es zu einigen Bekanntschaften in der DEFA-Filmszene, so auch mit der Regisseurin Evelyn Schmidt, die damals einen Film über das abenteuerliche Leben der Botanikerin Amalie Dietrich drehen wollte. Ich wurde zunächst mit den Recherchen zum Stoff sowie mit der Erstellung eines grundlegenden Exposés beauftragt. Zuerst zeigte ich wenig Begeisterung (Emanzenstory, igitt! Auftragsarbeit, igitt!), doch mit der Arbeit fand ich zunehmend Gefallen an der Geschichte und schließlich auch den richtigen Zugriff zum Film.

Das Projekt kam bei der DEFA nicht mehr zustande – sowohl mein Exposé als auch die potenzielle Regisseurin Evelyn Schmidt wurden für unzulänglich befunden –, aber wir hatten einmal Feuer gefangen, und nach der Wende, als uns allen schien, als breche ein besseres Leben an und alle in der DDR unterdrückten Projekte könnten nun zu glorreichem Leben erblühen, boten wir „Amalie Dietrich“ von Neuem an.

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Familie Dietrich, Siebenlehn - Stoffbeschreibung zum Filmprojekt

 

Amalie + Charitas
Amalie Dietrich mit ihrer Tochter Charitas

Die Idee für dieses Filmprojekt geht zurück auf eine Anregung von Evelyn Schmidt, die in dem Band "Der lautlose Aufbruch – Frauen in der Wissenschaft" von Renate Feyl auf das Porträt der Amalie Dietrich stieß. Bei näherer Untersuchung der Materie stellte sich heraus, dass der abenteuerliche Lebenslauf der Amalie Dietrich nicht nur schon zu wiederholten Malen belletristisch gestaltet worden ist (Charitas Bischoff, Gertraud Enderlein, Elisabeth Langgässer u. a.), sondern dass darüber hinaus auch umfangreiche Forschungen existieren, die sich mit Biografie und Werk dieser Wissenschaftlerin befassen. Schon 1977 bzw. 1981 erschienen in der Evangelischen Verlagsanstalt Ostberlin die beiden Erinnerungsbücher der Dietrich-Tochter Charitas Bischoff. Herausgeber war Prof. Günter Wirth, der in jahrelanger Arbeit eine Fülle von historischen und biografischen Details über diesen Gegenstand zusammengetragen und beide Bücher mit sehr akribischen Nachworten versehen hat. Davon abgesehen gibt es, hauptsächlich in Sachsen, etwa ein Dutzend höchst aktive Amalie-Dietrich-Spezialisten – Museumsleiter, Hobby-Forscher, Genealogen etc. –, die im Zusammenhang mit diesen Veröffentlichungen, aber auch davor und danach, viel Zeit und Arbeit auf die Beschäftigung mit "ihrer" Heldin verwendet haben...

Lust zur Weiterbeschäftigung mit Amalie Dietrich? Hier finden Sie die gesamte Stoffbeschreibung und die ersten Szenen des ausgearbeiteten Filmscripts.

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Amalie Dietrich in Australien - zu den aktuellen Vorwürfen

 

 terrax

Mit tückischem Blick auf Knochenjagd: Amalie Dietrich im ZDF-Bericht "Mordakte Museum" aus der Sendereihe "Terra X"

Am 06.03.2011 konnte man in der ZDF-Sendereihe „Terra X“ einen Bericht namens „Mordakte Museum“ bewundern. Es ging um Grabräubereien im Dienste der Wissenschaft, also um Forscher, die im 19. Jahrhundert in unbekannte Gebiete Australiens oder Lateinamerikas vordrangen und dabei nicht nur Blümchen und Schmetterlinge, sondern auch Schädel und Skelette von Eingeborenen sammelten. Dabei wird an exponierter Stelle der Name Amalie Dietrich erwähnt: Sie soll sich in Australien der Grabräuberei, wenn nicht gar des Mordes schuldig gemacht haben. In den Spielszenen des modisch-reißerisch aufgemachten „Doku-Dramas“ sieht man eine überraschend attraktive Amalie Dietrich, die mit tückischem Blick die heiligen Grabstätten der Aborigines umschleicht, um für ihren skrupellosen Auftraggeber menschliche Knochen zu erjagen. In einem Fall will sie sogar einen wackeren Siedler zum Mord anstiften, doch der jagt sie mit Schimpf und Schande vom Hof.

Nun sind die Vorwürfe gegen Amalie Dietrich zwar eigentlich schon seit Jahr und Tag bekannt (etwa aus dem 2004 erschienenen Buch „Pflanzenjäger“ von Renate Hücking); doch durch den Terra-X-Beitrag nahm wohl erstmals ein breiteres Publikum davon Kenntnis. Es hat unsichere Anfragen gegeben, ob man jetzt die Amalie-Dietrich-Straßen Deutschlands umbenennen muss. Deshalb hier ein kurzes Statement von meiner Seite.

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Infos über Amalie Dietrich finden Sie auch in diesem Feature, das der WDR im Rahmen seiner Sendereihe "Zeitzeichen" produziert und am 09.03.2011 gesendet hat. Autorin ist Claudia Belemann; ich selbst hatte die Ehre, eine ihrer Interviewpartner zu sein.

 

 

   
© Tanja Stern