Rentnerabzocke bei Kaffeefahrten
Kürzlich hatte ich mit dem Phänomen der Verkaufsveranstaltungen für Senioren, den so genannten „Kaffeefahrten“ zu tun und habe mich seither ein wenig mit der Materie beschäftigt. Wahrscheinlich brauche ich das Thema gar nicht lang und breit zu erörtern, denn es geht ja oft genug durch Medien und Presse. Umso weniger begreife ich, dass hier von Seiten der Politik nicht längst schon eingegriffen wurde. Diese Verkaufsveranstaltungen sind methodischer Betrug und werden durchweg von Kriminellen organisiert; Ausnahmen sind mir nicht bekannt. Die Drahtzieher verschanzen sich hinter Postfächern und Phantasiefirmen, sind also für die Opfer nicht greifbar, und sie bauen auch ganz bewusst darauf, dass sich Senioren aufgrund ihres Alters schlechter gegen Unrecht wehren können und weder vom Gesetz noch von den Politikern des Schutzes für wert gehalten werden.
In letzter Zeit hat die Dreistigkeit, mit der die Menschen auf diesen Verkaufsveranstaltungen behandelt und abgezockt werden, erschreckende Ausmaße angenommen.
Niemand wird gezwungen zu kaufen
Gedächtnisprotokoll zum Telefonat am 03.12.2008 mit Herrn Jürgen Philipp, Kaufbeuren, Vizepräsident des Bundesverbandes Graue Panther eV
Nachdem ich an den Bundesverband Graue Panther eV einen Brief zum Thema "Rentnerabzocke auf Kaffeefahrten" geschrieben hatte (er entspricht in etwa dem thematischen Beitrag auf dieser Homepage) herrschte zunächst einige Wochen lang Schweigen. Ich insistierte mit einem zweiten Brief und erhielt nach einer weiteren wochenlangen Wartezeit einen Anruf von Herrn Philipp aus Kaufbeuren, dem Vizepräsidenten der Grauen Panther. Zunächst fragte an, ob ich mit einer fernmündlichen Klärung meiner Anfrage einverstanden sei oder ob ich eine schriftliche Antwort wünsche. Ich erklärte mich einverstanden mit einem Telefonat, für das dann ein Termin am 03.12.2008 vereinbart wurde.
Zur vereinbarten Zeit rief Herr Philipp an und erkundigte sich zunächst, ob ich schon Mitglied der Grauen Panther sei; das werde eigentlich erwartet, wenn der Verband für jemanden aktiv werden solle. Das Problem der Kaffeefahrten sei unter den Mitgliedern der Grauen Panther bisher noch nicht aufgetaucht, so dass er keine Veranlassung zum Einschreiten sehe. Er habe schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass der Verband jemandem geholfen habe, der dann noch nicht einmal Mitglied werden wollte.
Nachtrag zum Telefonat
Im September 2009, also Monate, nachdem ich das Thema der Rentnerabzocke bei Kaffeefahrten auf meiner Homepage erstmals thematisiert hatte, meldete sich Herr Philipp wieder bei mir: Er war zufällig auf meinen Beitrag gestoßen und bekundete mir in einem ziemlich bösen Brief sein Missfallen darüber, via Internet an sein damaliges Statement erinnert zu werden. Doch die daraus entspringende Korrespondenz gewann allmählich einen freundlicheren Ton und entwickelte sich wider Erwarten zu einem anregenden Kontakt, der sich, wenn auch mit Pausen und Widerhaken, bis zum heutigen Tage fortsetzt. Zwar sind wir nie zu einer Einigkeit über das Thema Kaffeefahrten gelangt, doch wir haben immerhin ein gegenseitiges Verständnis entwickelt: Herr Philipp ist jetzt aufgeschlossen für ein Problem, mit dem er sich erst gar nicht beschäftigen wollte, und ich lernte sein Engagement innerhalb der "Grauen Panther" schätzen, obwohl ich diese Vereinigung anfangs als völlig nutzlos eingestuft hatte. Es hilft eben doch, miteinander zu reden.
Ich will mich hier aller Zitate enthalten, zumal ich nicht in jedem Fall der Erlaubnis zur Veröffentlichung sicher bin, sondern fasse nur in Kürze den Inhalt unserer Debatten zusammen: Herr Philipp plädiert für das Recht der Rentner, nicht bevormundet zu werden und über ihre Handlungen selbst zu entscheiden, auch wenn es sich dabei um die Teilnahme an betrügerischen Kaffeefahrten handelt. Der Grund für den Erfolg dieser Betrugsmasche ist seiner Meinung nach die Gier nach Schnäppchen, eine unausrottbare Eigenschaft des Menschen, die durch Verbote nicht reguliert werden kann. Ich dagegen bin für ein grundsätzliches Verbot der Kaffeefahrten und für ein energisches Vorgehen der Staatsmacht gegen diese dreiste Form organisierter Kriminalität, die sich die Schwäche des Alters zunutze macht, um Profit daraus zu schlagen. Hier geht es nicht um verzeihliche menschliche Schwächen, sondern um skrupellose Verbrechen an Wehrlosen!
Der Disput wird fortgesetzt.
